Defizit: universitäre Betreuung

Für die Begleitung von schulischen Praxisphasen sollten Lehrveranstaltungen aus 10, maximal 12 Studierenden pro Lehrenden bestehen. Diese Relationen mögen angesichts der allgemeinen Verhältnisse idealistisch erscheinen, gleichwohl sind sie unter Lehrerbildnerinnen und Lehrerbildnern unstrittig und in einigen Fächern geltende Norm (z.B.: Naturwissenschaften, Sport, Sozialwissenschaften). In Fächern, die überwiegend Blockpraktika anboten und anbieten, muss aber z. T. von ganz anderen Relationen ausgegangen werden.

Das Praxisprojekt "Diagnose und Förderung" zielt darauf ab, zumindest in dem besonders betreuungsintensiven Segment "Begleitung und Reflexion" ein Betreuungsverhältnis von 1:10, im Ausnahmefall 1:12, zur zwingenden Voraussetzung zu machen.

Die Betreuung ist nicht nur unter quantitativen Gesichtspunkten problematisch. Lehrende, die fachwissenschaftlich und fachdidaktisch ausgewiesen sind und zugleich über nennenswerte Praxiserfahrungen verfügen, sind sehr selten. Insofern muss die Breite der Kompetenzen über einen "Mix" von Veranstalterinnen und Veranstaltern erfolgen. Für die Begleitung und Reflexion werden daher Lehrbeauftragte eingesetzt, die als Lehrerinnen bzw. Lehrer an kooperierenden Schulen arbeiten und Fortbildungen im Bereich "Diagnose und Förderung" absolviert haben oder sie zu Beginn ihrer Tätigkeit absolvieren.

Defizit: Kompetenzorientierung in der Praxis

Praxisstudien sind nicht automatisch Kompetenz fördernd. Zu viele Praxisphasen, insbesondere in Form von Blockpraktika, leiden daran, dass die Praktikantinnen und Praktikanten ohne angemessene Aufgabenstellung in die Praxis gehen oder eine angemessene Aufgabenstellung nicht umsetzen können, z.B. weil Schulen keinen Raum dafür lassen. Sowohl Unter- als auch Überforderung sind zu beobachten: Für manche Studierenden besteht die Praxisphase fast nur aus Hospitation, andere bestreiten viele Unterrichtsstunden mit zweifelhaftem Effekt: Weil sie das Unterrichten nicht gelernt haben, sondern "ins kalte Wasser" springen müssen, so die häufig genutzte Metapher, üben sie vor allem eines: 30 SchülerInnen so unter Kontrolle zu halten, dass sie selbst als Praktikantinnen bzw. Praktikanten nicht untergehen. Nicht das individuelle Lernen der Schülerinnen und Schüler, sondern das Überleben steht im Vordergrund.

Das hier vorgestellte Projekt wirkt dem auf zweifache Weise entgegen: Die Studierenden unterrichten Kleingruppen (ca. 6 Schüler/innen), die es erlauben, das individuelle Lernen in den Blick zu nehmen, und die Praxisstudie konzentriert sich auf eine Dimension des Lehrerhandelns: individuelle Förderung.

 

 

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