Schulische Praxisstudien

Hinweis: Diese Seite bezieht sich auf das Studium nach dem Studienmodell 2002. Informationen zum Studium nach dem neuen Studienmodell ab dem WiSe 2011/2012 finden Sie auf den neuen Informationsseiten. Beachten Sie dabei bitte auch die Informationen zur neuen Studienstruktur. Bereits eingeschriebene Studierende studieren in der Regel weiter nach dem Studienmodell 2002.

 

Die Auseinandersetzung mit den späteren Berufsfeldern sowie die Entwicklung dort erwarteter Schlüsselkompetenzen sind in Bielefeld bedeutende Bestandteile des Studiums. Durch praxisbezogene Angebote in den neuen Studiengängen können die Studierenden ihr Studium entsprechend ihrem Berufsziel gestalten. Das gilt besonders für angehende Lehrerinnen und Lehrer. Sie gehen im Laufe ihres Studiums mehrfach in die Schulen der Region - einige von ihnen auch in eines der beiden renommierten Bielefelder Schulprojekte "Laborschule" oder "Oberstufenkolleg".

Praxisstudien haben in den Bachelor-/Master-Studiengängen einen bedeutenden Stellenwert. Die oft abstrakten Inhalte der Lehrveranstaltungen werden einsichtig, wenn sie auf konkrete Anforderungen und Probleme des beruflichen Alltags bezogen werden können. Praxisstudien - und das gilt ganz besonders für den schulischen Bereich - stehen nie isoliert und für sich, sondern sie sind stets eingebunden in Lehrveranstaltungen und Module. Was immer von Studierenden in der Schule beobachtet, entwickelt oder erforscht werden soll, wird in der Universität vorbereitet. Dabei werden die Studierenden von Lehrenden der Universität begleitet und von Lehrerinnen und Lehrern in den Schulen unterstützt. Zum Abschluss folgt immer eine gemeinsame Reflexion in einer fachdidaktischen oder erziehungswissenschaftlichen Veranstaltung.

Im Berufsfeld orientieren und Erfahrungen sammeln

Wer Lehrer oder Lehrerin werden will, führt mindestens drei, oft vier und in manchen Fällen sogar fünf Praxisstudien durch. Eine erste Praxisstudie im Kernfach zwischen "Fachlicher Basis" und "Profilstudium" (s. S. 11) dient der allgemeinen Orientierung zwischen den verschiedenen berufsfeldbezogenen Profilen des Faches. Sie unterstützt die Studierenden bei der Wahl eines der angebotenen Studienprofile und bezieht unterschiedliche Erfahrungsund Berufsfelder ein. In der zweiten Praxisstudie (im Profil des Kernfachs) lernen die Studierenden forschungsorientiert, und sie erkennen die Bedeutung der Theorien und Methoden ihres Faches für die Reflexion von Praxis.

Wird Erziehungswissenschaft als Nebenfach im Bachelor gewählt, findet bereits zum Studienbeginn eine vierwöchige schulische oder außerschulische Praxisphase statt. So gelingt ein forschender Einstieg in pädagogische Handlungsfelder, besonders in den Schul- und Unterrichtsalltag. Möglich ist hier zum Beispiel die Betreuung kleiner Gruppen oder einzelner Kinder und Jugendlicher zur Unterstützung in schulischen Gruppenarbeitsphasen.

Obligatorisch im erziehungswissenschaftlichen Studium ist immer eine umfangreiche Fallstudie. Auf sie entfällt fast ein Drittel des Studienvolumens. Die Bandbreite der Fragestellungen und Methoden ist groß. Pädagogisch-praktisch orientierte Fallstudien untersuchen und reflektieren Situationen in Klassen oder Kleingruppen. In einer organisationstheoretisch orientierten Fallstudie wird die Entwicklung einer Institution evaluiert. Fallstudien, die sich der Erstellung eines pädagogisch relevanten Produkts widmen, entwickeln zum Beispiel Lernsoftware.

Eine intensive Auseinandersetzung mit empirischen Forschungsmethoden und Evaluationsverfahren sichert dabei eine in der Lehrerbildung außergewöhnliche Qualität des forschenden Lernens. Die Bielefelder Konzeption des Fallstudienmoduls und die Einbettung der Studie in das Gesamtcurriculum des Nebenfaches Erziehungswissenschaft gilt nicht von ungefähr als vorbildhaft.

Die Praxisstudien stehen in engem Zusammenhang mit dem Erwerb spezifischer Schlüsselkompetenzen. Hier setzt die Universität Bielefeld auf eine integrierte Vermittlung: Studierende erlangen die Schlüsselkompetenzen nicht in eigens dafür entwickelten Angeboten, sondern im Fachstudium selbst - und dort vor allem in den praxisnahen Lehrveranstaltungen. Auf diese Weise gelingt es ihnen besser, Bezüge zu den jeweiligen Lehrinhalten und den beruflichen Aufgaben herzustellen.

Mit ihren jetzigen Angeboten ermöglicht die Universität Bielefeld den Studierenden viele Einblicke in die Praxis - und das bereits in den ersten Semestern. Mit dem Projekt "Trainee Teacher" hat die Universität Bielefeld eine attraktive Erweiterung ihres Angebotes in die bildungspolitische Diskussion gebracht. In Kooperation mit Studienseminaren und Schulen soll zwischen Bachelorund Master-Studium eine Trainee-Phase für angehende Lehrerinnen und Lehrer erprobt werden.

Als "Trainee Teacher" für ein Jahr in die Schule?

Für etwa ein Jahr sollen Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen als Trainee Teacher in den Schulen als Mitarbeiter tätig sein. In verschiedenen Handlungsfeldern von Lehrerinnen und Lehrern können sie qualifizierte und qualifizierende Aufgaben von zunehmender Komplexität verantwortlich übernehmen - von der Unterstützung bei der Unterrichtsvorbereitung und -organisation über die Wahrnehmung von Evaluationsaufgaben und Arbeit in Arbeitsgemeinschaften bis hin zur Betreuung von Lerngruppen in Lernprozessen.

Derart vorbereitet, würden Studierende ihr Master-Studium mit einer ganz anderen Studienmotivation und neuen Qualifikationen beginnen, ist man an der Universität Bielefeld überzeugt. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Stiftung Mercator zeichneten dieses Modell aus und empfahlen die Weiterentwicklung. Sie sehen darin eine "ambitionierte Innovation" und einen "bemerkenswerten Beitrag zur Reform der Lehrerausbildung".

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